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Vitrine für gewagte Thesen

Mäh!

Nein, ich will nicht wieder von Schafen anfangen. Vielmehr hätte ich "mehehehe!" schreiben sollen. Es geht um Ziegen. In einem Film über die Insel La Palma durfte ich mir den kleinen Betrieb des Ziegenbauern Antonio ansehen. Antonio besitzt etwa hundertdreißig Ziegen; genau weiß er es selbst nicht. Dazu natürlich einen Hund. Ansonsten ist er allein (der Verweis auf "Bauer sucht Frau" blieb aus), und er muss die Arbeit allein machen. Die Ziegen melken (früher von Hand, heute besitzt er eine Melkmaschine), den Käse formen und die Käselaibe räuchern. Das hat er früher im Ofen seines Bruders gemacht, aber heute besitzt er einen Gammastrahlendetektor.
So hieß es wörtlich. Zu sehen war dabei ein Ofen, der mit Reisig beheizt wurde.
Er hätte ihn für billiges Geld gekauft, hieß es. Meine Tochter hat gleich bei Ebay nachgesehen, aber da gibt es zur Zeit leider keinen Gammastrahlendetektor.
Eine Nachsuche bei Google mit den Suchworten "gammastrahlendetektor" und "ziegenkäse" brachte zwei (i.W. zwei) Ergebnisse.
Antonio wurde bei keinem von beiden genannt.
Aber das könnte auch daran liegen, dass er kein WLAN hat.
Hätte er allerdings WLAN, könnte er den Käse vielleicht in seiner Fritzbox räuchern und bräuchte keinen Gammastrahlendetektor mehr.
Vielleicht setzt er den dann bei Ebay rein und meine Tochter kann drauf bieten. Bis es soweit ist, räuchere ich meinen eigenen Käse mit dem Geigerzähler.
Vielleicht kann mich jemand über diese geheimnisvollen Zusammenhänge aufklären. Bis dahin schiebe ich diesen Beitrag in die Vitrine für gewagte Thesen.




Das sind übrigens Skuddenlämmer!

Defenestration

Meine Tochter hat den Eindruck, dass in Prag besonders viele Leute aus dem Fenster fallen oder gefallen werden. Wikipedia verzeichnet immerhin drei Prager Fensterstürze und bemerkt dazu: "Fensterstürze, auch Defenestration genannt, kamen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit mehrmals vor. Sie stellten eine Form der Gewalt dar, die zwischen Feme (oft mit vorangehender formeller „Verurteilung“ durch die Ausführenden), Gottesurteil und gemeinschaftlich begangenem Mord steht."
Einen nichtoffiziellen weiteren Fenstersturz vermerkt Radio Tschechien. Schon 1483 warfen Prager Bürger den Bürgermeister Klobouk aus dem Fenster des Rathauses, "nach böhmischen Brauch", wie es heißt. Es muss also was dran sein an der Prager Gefahr. Dieser Fenstersturz ist zeitlich gesehen der eineinhalbte, da er zwischen dem ersten und dem zweiten offiziellen stattgefunden hat.
An anderer Stelle bemerkt Wikipedia zu Bohumil Hrabal, einem der wichtigsten tschechischen Autoren des 20. Jahrhunderts, sein Ableben stelle so etwas wie den vierten Prager Fenstersturz dar (nach unserer Rechnung also den fünften). Hrabal soll beim Taubenfüttern aus einem Fenster im fünften Stock gefallen sein. Der Nächste, der rausfällt, wird also nach dem Gesetz der Serie möglicherweise aus dem sechsten Stock fallen. Oder auch nicht.
Meine Recherche hat übrigens das Randergebnis gezeitigt, dass in Prag unverhältnismäßig viele britische Touristen wegen Verlust ihrer Pässe das Konsulat belästigen. Ich würde vorschlagen, guckt doch erst mal unter eurem Fenster nach.
Krönung meiner Nachforschung: Die Häufung von Fensterstürzen hat in Prag zu dem Sprichwort geführt, dass man Politik am besten im Souterrain mache. Aus dem Kellerfenster fallen hat bekanntlich meistens sowenig tödliche Folgen, wie sich hinter den Zug zu schmeißen.
Die weiterführende Überlegung meiner Tochter, dass das berühmte böhmische Gulasch irgendwie Folge der Fensterstürze sein könnte, will ich an dieser Stelle nicht vertiefen, aber sie bekommt einen Platz in der Vitrine für gewagte Thesen.

Vitrine für gewagte Thesen

Ich muss bei Google einen völlig neben der Sache liegenden Suchbegriff eingegeben haben. Denn ich wurde nicht auf die normale Wiki-Seite geschickt, sondern auf eine bayrische Wiki-Seite. Diese.
Da steht zum Beispiel unter Mozarts Porträt: "Da Mozart Wolfgang Amadeus af an Büidl vo da Kraft Barbara, so wia sie in Joar 1819 gmoant hat, dass er ausschaugt."
Ins Hochdeutsch übersetzt würde das etwa lauten: "Wolfgang Mozart, gemalt von Barbara Kraft 1819 aus der Erinnerung" oder "aus der Phantasie". Jedenfalls nicht "wie sie damals dachte, dass er ausgesehen haben müssen täte".
Mich hat der bayrische Mozart fasziniert, ich las mir die ganze Seite durch, so gut ich das halt verstehen zu können meinen tat, und war begeistert von der schlichten Eingängigkeit aller auf der Seite versammelten Info.
Heute mittag habe ich das meiner älteren Tochter erzählt, die wie immer wochenends aus ihrem Studentenkabuff in Mainz gekrochen war. Und die gab mir zur Antwort, dass sie einmal einen äußerst komplizierten Sachverhalt bei Wiki nachlesen wollte und nicht begriff. Durch Zufall fand sie exakt den gleichen Sachverhalt, auch bei Wiki, in irgendeinem obskuren Dialekt erklärt und hatte nach dem ersten Nachlesen alles zwanglos kapiert.

Irgendwas muss dran sein an dem berühmten Mausprinzip. Ich eröffne nunmehr in meinem Blog eine neue Themenreihe mit dem Titel "Vitrine für gewagte Thesen" (zur Erinnerung an den verstorbenen Apollopark) und starte mit der Behauptung, dass eine mit strunzdummer Attitüde vorgetragene Erklärung manchmal bessere Aufnahmechancen hat als eine hochwissenschaftlich klingende. Wohlgemerkt, wir gehen von gleichen Inhalten aus.

Machen wir gleich die Probe aufs Exempel:

Die Industrialisierung und die daraus resultierende, stetig größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich fordern sowohl räumliche als auch strukturelle Maßnahmen. Das Regionalmarketing bietet innerhalb dieser Tatsache innovativen Handlungsspielraum. Planungs- und Entscheidungsprozesse sind bedeutendster Teil der Zielvorstellungen eines intakten Regionalmarketings. Das dabei entstehende Zusammenspiel zwischen Regionalplanung und Regionalpolitik verfolgt das Ziel, Regionen auf einen höheren Standard, bezüglich ihres Arbeits-, Bildungs-, Wohn-, und Freizeitwertes, zu entwickeln.
Zitat aus einer Examenshausarbeit zum Thema Regionalmarketing.

Es wird als mehr gedo unn manche hann allweil denach mehr unn die anndern weniger. Darum muss was do wern. Am besde wär e besser Regionalmarketing. Da dunn mer zusamme überleche unn dann was dunn, unn am End gehts allen besser, bej de Awweit unn denach vorm Fernseh, odder wass mer auch immer dunn, wenn mer mit de Awweit feddich sinn, unn mer hamm en höhern Standadd.
Der gleiche Inhalt in Hessisch.

Ich weiß nicht, ob der zweite Absatz verständlicher ist; auf alle Fälle ist er sympathischer.
Und damit eröffne ich die Vitrine für gewagte Thesen. Wäre schön, wenn auch andere Vorschläge dazu kämen.



ps. These Nummer zwei:
Die wichtigste Eigenschaft, sich im Leben zurechtzufinden, ist Unverschämtheit. Die richtige Art davon.


Blubbern als Kunst!

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Man darf gar nicht darüber nachdenken, was für ein Idiot man ist.
Anand Visvanathan

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