on tour

Madeira

Ich bin dem Hund begegnet. Das geschah gute drei Wegstunden außerhalb des letzten bewohnten Orts, auf der Höhe der Levada. Ich war bereits erschöpft vom schmalfüßigen Laufen auf dem Levadamäuerchen, ungesichert über einem dreißig Meter tiefen Abgrund, durch den Nebelfetzen trieben. Meine Hose war schlammbespritzt bis zu den Knien, mein Nacken brannte von der stechenden Sonne. Der Levadeiro, kenntlich an dem zwei Meter langen eisenbeschlagenen Stock, kommt mir leichtfüßig entgegen, in offenem Hemd, mit lächelnder Miene. Ihm folgt mit fünfzehn Meter Abstand der Hund, quälend langsam, mit hängendem Kopf. Er sieht aus wie ein Schäferhund, aber mit blondem Fell. Der Levadeiro strahlt voll Stolz, als ich fragend auf den Hund blicke, macht eine Bemerkung in Portugiesisch und zeigt erst alle zehn, dann sechs gespreizte Finger - sechzehn Jahre alt ist der Hund. Der Hund bleibt vor mir stehen, ohne den Kopf zu heben; er schnuppert nicht einmal an meiner ausgestreckten Hand. Drei Stunden muss er bereits gelaufen sein. Was macht der Mann, wenn ihm der Hund hier, weit oben in den Bergen, auf dem halbmeterbreiten Levadamäuerchen tot oder entkräftet umsinkt? Trägt er ihn auf den Schultern heimwärts? Oder lässt er ihn in den Abgrund fallen? Der Mann lächelt weiter, als ich mich bücke und dem Hund das dicke blonde Brustfell kraule. "Du schaffst das, du schaffst das", flüstere ich dem Hund zu, ohne zu wissen, was eigentlich.

Baumgedanken, die zweite

Die Frage, ob man in diesen Zeiten über Bäume reden darf, wurde mir schon mal gestellt, und gedacht war sie damals als Schreibaufgabe. Im Literaturforum Rhein-Main war das, das leider nur kurze Zeit online war, aber soweit ich mich erinnere, habe ich - ganz gegen meine sonstige Gewohnheit - alle Schreibaufgaben des Webmasters Ulrich D. brav bearbeitet und viel Spaß dabei gehabt, denn es waren wirklich feine Schreibaufgaben.

Diese hier ging leider einen unglücklichen Gang, denn kurz nachdem sie gestellt wurde, hörten wir von den unseligen Madrider Zuganschlägen.





fast ein verbrechen ... 11.3.2004

letztes jahr im märz
sang die nachtigall
an den flussufern
der alhambra
und die mandelbäume
blühten

wir erinnern uns
und schweigen
darüber

die bäume blühen
trotzdem

eigentlich

ich wollte dir erzählen
von granada
den nachtigallen am flussufer

dem wind an tarifas küste
der uns weißen schaum vom atlantik
um die ohren blies
ich wollte erzählen
von den grünen brunnen im wald von bucaco
und den goldenen kacheln
in der kleinen kirche
in almancil

damit du weißt
wo ich
geblieben war

doch dann waren
deine wände so weiß
und dein blick
so stumm

salamanca (farbumschlag IV)

„running over the same old ground ...”
Pink Floyd



der uniplatz von salamanca
ist ein goldfischglas

in den abendstunden
drängen sich schwärme darin

man hat die nase im sektschwenker
und schwätzt
aufsteigende blasen
die nacht hält sich heraus
und schweigt smaragdgrün
ich möchte glauben
an gottes
strahlendes auge

in grün zu
schwarz

salamanca

weit gereist

wie viele kilometer
arbeiten wir ab
so weit gereist
der wind
der durch die wipfel atmet
ist der gleiche
der vor tagen
durch mich ging
und kälte trug

mit einem oh
erstirbt er mir
im mund



(für Katrin, 21.7.2006)

farbumschlag II

vor zeiten hingen wir
an einem himmelsanker
schwalben waren unsere nachbarn
ihre schreie schnitten
durch unser zeltdach
wir rahmten das blau
mit flinken händen
... so muss es
gewesen sein

gefallen sind wir nicht
nur gesunken
türkis zu
tintenblau





(Dachlandschaft Barcelona, Sommer 2006 - oder wie ich diese Stadt, die ich seit drei Jahren kannte, zu lieben begann ...)

Blubbern als Kunst!

brille

Wort des Monats

Immer wenn man ein Tier genau betrachtet, hat man das Gefühl, ein Mensch, der drin sitzt, macht sich über einen lustig.
(Elias Canetti)

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