Kurz vor der Müllabfuhr

Dem Ewald ist ganz fürchterlich mitgespielt worden. Gestern abend beim Rausfahren der Mülltonne (heute ist Müllabfuhr) habe ich ihn getroffen, und wie das so geht, er hat noch auf der Straße angefangen zu erzählen und zwei Stunden später habe ich ihn ins Haus gebeten, weil es zu regnen anfing. Da ging es dann noch mal zweieinhalb Stunden weiter. Aber die Geschichte selbst ist ganz schnell erzählt.

Die Ewaldine hat vor ein paar Monaten abends ein Häschen aus Baumwolle gehäkelt, ganz klein nur, als Schlüsselanhänger für Ewald. Der fand das Häschen so lieb, dass er gleich gefragt hat, ob Ewaldine noch mehr davon machen könne, so etwas wollten doch sicher viele Leute für ihre Schlüssel haben. Ewaldine hat sich ein wenig zögernd bereit erklärt; sie hat ja das Haus und den Garten, aber ab und zu ein Häschen machen wäre wohl schon drin. Nach Konsultation seines Steuerberaters hat Ewald einen Förderkredit für Kleinstunternehmer beantragt und einen Amazon-Shop für die Häschen eröffnet. Als Einstiegspreis hat er 79,90 Euro kalkuliert. Das ist schon recht günstig, wenn man all die Nebenkosten bedenkt.



Es lief zunächst ganz gut. Ewald bekam sogar zwei Fünf-Sterne-Rezensionen auf Amazon für das Häschen (es heißt übrigens „Johnny“), die sehr positiv klangen: „Ein Häschen, das viel mehr Beachtung finden sollte“ hieß es da, und „es ist natürlich anspruchsvoller als das durchschnittliche Häschen und lässt den Kunden zutiefst verstört und nachdenklich zurück, herausgerissen aus seiner Gutgläubigkeit …“ Ich habe Ewald vorsichtig gefragt, ob diese Rezensionen vielleicht von seiner Schwiegermutter und seinem Steuerberater stammen könnten. Da wurde er ganz furchtbar sauer und ließ sich nur dadurch besänftigen, dass ich eine Flasche Rotwein aus dem Keller holte.

Ewald hat einige Bestellungen für Häschen bekommen. Die Ewaldine hat ungefähr alle zwei Wochen eines gehäkelt, und das passte gut, weil sie immer sonntags beim „Tatort“ häkelt und gerade drei Stunden, also zwei Tatorte, für ein Häschen braucht. Sie macht die Häschen dann auch gleich versandfertig, versieht sie mit einem Schlüsselring, packt sie in Seidenpapier und flüstert ihnen zum Abschied zu, dass sie nun in die weite Welt hinaus müssen und sich in acht nehmen sollten, weil die Welt ganz furchtbar schlecht ist. (An diesem Punkt seiner Erzählung brach Ewald in Tränen aus und konnte erst weiter berichten, nachdem ich noch eine Flasche Rotwein aus dem Keller geholt hatte.)

Nachdem also das Geschäft mit dem Häschen ein gutes halbes Jahr einigermaßen gelaufen war, hat plötzlich eine Kundin in ihrem Weblog das Häschen übel heruntergemacht. Dabei (rief Ewald verzweifelt aus) hat sie nicht mal ein Häschen gekauft! Sie hat es bloß bei einer Bekannten gesehen, ein wenig untersucht und untersteht sich, aufgrund dessen mitten ins Internet zu schreiben, das Häschen sei dilettantisch gemacht! Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu! Ewald ist gleich zum Steuerberater gerannt und hat gefragt, was er nun machen soll. Nach einigem Nachdenken hat der Steuerberater gemeint, dass im Prinzip jeder Kunde über jedes Produkt schreiben könne, was er wolle, aber wenn bewusste Geschäftsschädigung im Spiel sei, könne es sich auch um einen Straftatbestand handeln. Ewald hat also ein wenig nachgeforscht und festgestellt, dass diese Frau vor fünf Jahren in einem Häkelforum einige von ihr gefertigte Topflappen vorgestellt hat, die aber von den anderen Forenmitgliedern gar nicht positiv bewertet wurden. Klarer Fall: Die Frau war bloß neidisch, ihre Rezension entbehrt jeglicher Grundlage! Außerdem ist sie, wie Ewald herausgefunden hat, genau 29 Jahre alt, ein ganz gefährliches Alter für Frauen! Bestimmt ist sie frustriert oder frigide oder beides, hat keinen Freund, keinen Hasen und keine Ahnung vom Häkeln, wahrscheinlich ist sie sogar (hier machte Ewald eine dramatische Pause, die ich nur durch das Öffnen der dritten Flasche beenden konnte) eine Quotenfrau!! Ewald hat die Frau also angeschrieben und ihr mit Klage gedroht. Damit sie ihre Rezension nicht nachträglich ändert, hat Ewald vorher einen Screenshot von ihrem Blog gemacht und auch Screenshots von allen anderen Blogs, in denen ebenfalls ungünstige Rezensionen über das Häschen aufgetaucht sind (natürlich alle von der ersten abgeschrieben und von Leuten, die das Häschen nicht mal gekauft haben, denn so viele Häschen hat er ja gar nicht verkauft - was hinreichend beweist, dass all diese Leute ihn bewusst schädigen wollen). Weil es so viele sind, hat er sich eine externe Festplatte kaufen müssen, aber die setzt er ja von der Steuer ab.

Ewald ist fest entschlossen, all die bösen Leute, die in ihren Blogs das Häschen verrissen haben, vor Gericht zu zerren. Er hat schon einen Brief an seine Rechtsschutzversicherung geschrieben. Nun ist aber das Allerschlimmste passiert: Die Ewaldine hat sich gestern zufällig an den Rechner gesetzt; nicht wegen des Häschens, sondern weil sie sich den Tourneeplan von David Garrett runterladen wollte. Da ist sie zufällig über Ewalds Verlaufsordner auf über siebenhundert (!!!) Links gestoßen, in denen dieses Bild zu sehen ist:



Und nun weigert sie sich, weitere Häschen zu häkeln! Ganz egal, wie der Rechtsstreit ausgeht, sie will einfach nicht mehr! Sie hat ihre Wolle und die Häkelnadel weggeschmissen und Ewald angeschrieen, dass sie nicht mehr bereit ist, weitere Exemplare ihres „Johnny“ in diesem Sündenpfuhl da draußen hinauszuschicken. Ewald ist am Ende. Ich habe ihm versprochen, die Geschichte hier zu erzählen und meine Leser zu fragen, ob vielleicht da draußen irgend jemand sitzt, der solche Häschen häkeln kann, damit „Johnny“ weiterlebt. Das darf doch einfach nicht das Ende sein! Helft alle mit! Schickt positive Energien! Murmelt Mantren! Bildet eine Lichterkette rund um den Globus! Unser Häschen darf nicht sterben!

Heute ist Müllabfuhr!

Der Zauberstab

(Aus urheberrechtlichen Gründen alle Bilder sicherheitshalber gelöscht)

Zu Händels Oper Rinaldo in der Inszenierung von David Alden, Premiere war im Jahr 2000 bei den Münchner Opernfestspielen, habe ich mal in einer Kritik den Satz gelesen: »Alden verglich in seiner Inszenierung das überschäumende barocke Lebensgefühl mit der heutigen Spaßgesellschaft und versetzte die Handlung teilweise auf einen Rummelplatz.«

Ich kann das bestätigen, ich habe die Übertragung damals gesehen, sogar auf Tape mitgeschnitten, und es ist mir sogar gelungen, dieses Tape zu digitalisieren und auf DVD zu brennen. Ich sehe und höre es immer wieder gerne, obwohl nicht weniger als vier Countertenöre um die Wette säuseln. Einer besser als der andere.

Barockoper = Spaßgesellschaft. Eine ähnliche Vision haben wohl auch die Macher von Enchanted Island gehabt, jedenfalls wäre für die optischen Effekte in der Inszenierung aus der Met kein Superlativ zu hoch gegriffen. Voll fett, krass, überbordend, immer und immer noch einen drauf. In einem Pauseninterview sagte der Regisseur sinngemäß: »Wir haben uns gedacht, wenn wir schon Barockoper machen, dann auch gleich richtig.«

Ich glaube, die großartige Joyce DiDonato hatte in jeder einzelnen Szene, in der sie auftrat (und das waren nicht wenige), ein neues Kostüm und ein neues Haarstyling. Selbst der Luftgeist Ariel, gesungen von Danielle de Niese (agil-irrwischartig), bekam extra für die letzte Arie ein neues Kostüm verpasst, das direkt aus Farinelli stammen könnte.

(Bild gelöscht)

David Daniels (zum Niederknien wie immer) hatte, abgesehen von seinen Arbeitsklamotten (Lederschürze und Ärmelschoner) mindestens zwei aufwendige Brokatfummel. Lediglich Neptun (Placido Domingo, tragikomisch), Miranda (toll) und Caliban (Pisaroni, wuchtig) mussten mit nur einem Styling auskommen. Dafür hatte Caliban aber eine äußerst aufwendige Maske, einen künstlichen Bauch und Orkfüße. Mit ein paar kleinen Änderungen hätte er als Uruk-hai im Herrn der Ringe durchgehen können.

(Bild gelöscht)


Überhaupt gab es die eine oder andere Anleihe bei Tolkien; Prospero hatte gleich zu Beginn eine Art Palantir in der Hand, und sein Zauberstab sah sehr nach Gandalf aus.

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Womit ich endlich beim Thema bin: Der Zauberstab.
Eine der effektvollsten Theaterszenen, die ich kenne, ist diejenige aus Shakespeares Sturm, als Prospero seinen Zauberstab zerbricht. Ich habe sie leider nur zweimal im Fernsehen gesehen – einmal gespielt von Helen Mirren in der Neuverfilmung des Sturm und einmal vor vielen Jahren gespielt von John Gielgud in Greenaways Prosperos Bücher. Speziell Gielguds Darstellung werde ich nie vergessen. Nach all dem ungeheuren Aufwand, den er getrieben hatte, um sich seinen unfreiwilligen Inselaufenthalt zu verschönern, erschien er in dieser Szene nackt und bloß in ärmellosem Unterhemd. Ein schon reichlich schlaffer und krummer alter Mann, der entschlossen war, für immer auf seine Zauberkräfte zu verzichten. Sein Gesicht strahlte vor Erleichterung und innerer Befreiung.

Enchanted Island ist eine Kompilation aus dem Sturm und dem Sommernachtstraum, mit der Einschränkung, dass eine Oper natürlich mit sehr viel weniger Text auskommen muss als ein Theaterstück. Aber ich habe mich unendlich gefreut, dass man auf diese wunderbare Szene nicht verzichtet hat. In Enchanted Island findet sie ganz zum Schluss statt. Prospero, bis dahin gesungen von David Daniels, entsagt seiner Zauberkraft und zerbricht den Stab übers Knie. Der Text dazu dürfte sinngemäß dieser Stelle aus dem Sturm entsprechen (Übersetzung von Schlegel):


Das Fest ist jetzt zu Ende; unsre Spieler,
Wie ich Euch sagte, waren Geister und
Sind aufgelöst in Luft, in dünne Luft.
Wie dieses Scheines lockrer Bau, so werden
Die wolkenhohen Türme, die Paläste,
Die hehren Tempel, selbst der große Ball,
Ja, was daran nur teil hat, untergehn.
(…) Unser kleines Leben
Umfaßt ein Schlaf.


Das Publikum wird mit diesen Worten quasi aus der Oper entlassen; was danach folgt, ist nur noch so eine Art musikalischer Schlusstriumph. Der besondere Effekt an dieser Stelle war, dass diese Schlussworte gesprochen wurden. Nicht gesungen. Und zwar von einem Sänger, bei dem die Sprechstimme sich von der Singstimme so stark unterscheidet wie nur möglich (Daniels ist Countertenor und singt im Höhenbereich des Damen-Mezzo, seine Sprechstimme würde ich irgendwo im Bariton unterbringen). Die Fallhöhe an diesem Punkt war gigantisch. Hier ist der Zauber aus. Wir dürfen nach Hause gehen.

Ein riesiges Dankeschön an alle, die dieses einmalige Ereignis möglich gemacht haben. Ich hab's zwar nur im Kino gesehen, aber trotzdem hat es mich in den Sessel gebügelt wie selten. Barockoper ist Glückspille.

Eine sehr schöne Rezension, der ich vollkommen zustimme, gibt es übrigens noch hier im Opernnetz.


(...) Ihr alle schier
habet nur geschlummert hier
und geschaut in Nachtgesichten
eures eignes Hirnes Dichten.


(Epilog aus dem Sommernachtstraum, gesprochen von Puck)

Samstag ...

ist ein großer Tag! Hier mein derzeitiger Desktop:



The Enchanted Island kommt direkt aus der Met ins Kino.
Darauf freue ich mich seit sechs Monaten oder so. (Seit ich halt weiß, dass es kommt.)

Drei Stunden in einer anderen Welt. Kommenden Samstag.

Diagnose

Der letzte Brief seines Schwagers hatte brennende Wut in ihm ausgelöst, einen unbändigen Hass. Nach dem Tod seiner Frau war sein eigenes Leben sinnlos, aber er würde nicht abtreten, ohne dafür zu sorgen, dass dieser Dreckskerl am Ende büßen musste. Er suchte in den buckligen Bodendielen nach einer größeren Ritze, klemmte das Schwert „Anduril“, das er gleich nach dem Kauf messerscharf hatte schleifen lassen, schräg mit der Spitze nach oben hinein und beschwerte den Knopf mit einem marmornen Pflanzenständer.
Ein paar Probeläufe waren unumgänglich. Er nahm dazu Ingelieses alten Schießbudenteddybär. Es fiel ihm nicht leicht, aber er baute darauf, dass Ingeliese auf seiner Seite war. Obwohl sie seit acht Jahren nicht mehr war, redete er noch immer mit ihr. „Nimm keine Rücksicht“, hörte er sie sagen. „Wir sind uns doch einig. Mein Bruder war schon immer ein Arschloch.“
Nachdem seine Versuche den Plüschrücken des Teddybären nahezu zerfetzt hatten, zog er ihm ein altes Fan-T-Shirt von St. Pauli über, setzte ihn in die Sofaecke zurück, stellte sich vor dem eingeklemmten Schwert in Positur und ließ sich rückwärts hineinfallen. Im Geist hörte er den Rechtsmediziner sagen: „Klare Diagnose. Bei einem Langschwert im Rücken können wir Selbstmord ausschließen.“ Den Brief des Schwagers hatte er gut sichtbar ausgelegt. Es konnte keinen Zweifel geben.
Das Schwert schnippte von seinem Rücken ab und zerriß mit scharfem Laut seine Lederjacke und das Baumwollhemd darunter. Das Letzte, was er sah, war der vorwärts kippende Pflanzenständer mit der Hängepetunie obendrauf. Das Letzte, was er hörte, war die Stimme des Rechtsmediziners in seinem Kopf: „Klare Diagnose: Drittklassiges Dekorationsschwert, aber solider Blumentopf.“

Sturz des Riesenhasen

Eine Künstlergruppe namens "Gelatin" hat die Geschichte unseres Hasen auf dem Weg durch Zeit und Raum um ein weiteres Kapitel bereichert. Vermutlich wäre ich nie darauf gekommen, wenn ich nicht zufällig in der Strickcommunity Ravelry auf eine Recherche nach einem "möglichst großen Kuscheltier" gestoßen wäre. Es kamen alle möglichen Vorschläge zum Nachstricken, aber außer Konkurrenz dürfte dieser Riesenhase gelaufen sein, der aussieht, als hätte Meister Gulliver in unserem Liliputland eine gigantische Hasengestalt angenommen.



Das ist ein Screenshot von GoogleEarth, und der Bildausschnitt zeigt die Umgebung des kleinen Ortes Artesina in den Piemonteser Bergen. Da liegt der Hase friedlich und stört niemanden; und wenn Gott ihn nicht aufhebt, wird er dort liegen bleiben, bis er mitsamt seinem strohgestopften Bauch verwittert und verweht ist. Bis dahin erhält er regelmäßig Besuch von Pilgern, Wanderern und Hasenanbetern, die sogar ihr Zelt neben ihm aufschlagen und sich auf seinem Bauch schlafen legen. Hier eine Vergrößerung. 65 Meter lang ist der Hase.



Die Künstlergruppe Gelatin stammt übrigens aus Wien. Das wundert mich nicht. Der mild-autoritäre Humor der Wiener, wie er sich z.B. in der in U-Bahnstationen aushängenden sanften Warnung "Rauchen kann Ihr Geldbörsel belasten" niederschlägt, passt sehr gut zu diesem gleichsam von einem Götterkind fallen gelassenen Spielzeug.

In einer (sehr gruseligen) Geschichte von einem Autoren namens T.E.D. Klein mit dem Titel "Nadelman's God" gibt es eine Szene, in der der Held Nadelman als Kind am Strand spaziert. Der Himmel ist wolkenbedeckt, er geht und geht, und plötzlich reißt die Wolkendecke für einen Sekundenbruchteil auf, und er sieht ein gigantisches Gesicht über die Welt herabgebeugt: Gott schaut in sein Goldfischglas. Die Szene dauert, wie gesagt, nur einen Augenblick lang, aber sie hat die Qualität eines Schnappschusses, der sich tief ins Gedächtnis gräbt.

Ich weiß nicht, wer solche Hasenideen hat und vor allem nicht, wer dafür sein Geldbörsel aufgemacht hat. (Die Künstlergruppe soll fünf Monate daran gearbeitet haben.) Aber, auch wenn es albern klingt - ich denke mir immer, solange es so zweckfreien, friedlichen und liebevollen Humor gibt, sind wir nicht verloren.

Ein frohes und gesundes 2012 jedem, der hier vorbeikommt.

Das Elternhaus

Seit er von seiner Krankheit wusste, war er überzeugt gewesen, er werde früher sterben als sein Bruder, viel früher; vielleicht sogar früher als seine Eltern. Dass er nun als Letzter übrigblieb, kam ihm wie ein schlechter Streich vor – als hätte man ihm die Rolle, die zu spielen er gewohnt war, weggenommen und ihm eine völlig neue gegeben, die er nicht beherrschte. Nun hatte er das Haus nehmen müssen und mit dem Haus den Hund.

Der Mann setzte sich mit seiner Kaffeetasse auf das schäbige Sofa und schaute durch den Glaseinsatz der Hintertür auf den Garten hinaus. Der Hund war jetzt verstummt, war in die Hocke gegangen und kackte ins Gras, den Blick gemütsruhig in den Himmel gerichtet, als sei nichts.

Totmannwarner

Sæli: hat Schulden, Frau heißt Lara.
Jonas: hat Frau ermordet, Maria.
Gudmundur: Käptn, will abmustern, Frau Hrafnhildur depressiv seit Totgeburt, Sängerin.
Isak: Faschist.
Kalli: Jonas' Schwager, zum erstenmal dabei, wird angefahren, tot, weiß aber keiner.
Jon Karl: versehentlich dabei anstatt Kalli, weiß aber keiner. Alle denken, er sei Kalli; Schwager Jonas sagt nichts wegen Mord an Frau. Jon Karls Frau Lilja mit Kind und Geld abgehauen.
Oli Johnson: Maschinist, hässlich, Cthulhu-Nerd.


Das ist meine Personenliste zu dem Roman "Das Schiff", den ich gerade lese.
Normal brauche ich keine Personenlisten, aber bei diesem Buch schwamm ich schon auf Seite 50, weshalb ich zurückblätterte und mir diese Liste anlegte.
Dass ich schwamm, passte aber gut, denn das Schiff hat jetzt auf Seite 170 keine Verbindung zum Festland mehr und der Autor ist Lovecraft-Fan, was Übles ahnen lässt.
Das Wort "Totmannwarner" kannte ich bisher auch noch nicht. Ein Buch, das den Wortschatz erweitert, ist schon mal was wert.

PS. Weiß jemand, wie man "Hrafnhildur" ausspricht?


Porträt von Cthulhu. Quelle: Wikimedia

Extreme Bedingungen

In dem Klassikforum, in dem der Schmollfisch hin und wieder schwimmen geht, wurde vor kurzem diskutiert, inwieweit es legitim sei (man verzeihe mir diese Häufung von Nebensätzen), einen Sänger wegen seines Äußeren für bestimmte Rollen abzulehnen. Mit "ungeeignetem Äußeren" ist natürlich ein zuviel an Gewicht gemeint, denn (fast) alle anderen Makel kann man ja wegschminken. In jenem Klassikforum hat man sich auf ein dezidiertes Jein geeinigt, denn je nach Inszenierung kann es ja vorkommen, dass dem betreffenden Sänger das vorgesehene Kostüm absolut nicht steht. Ich meine, bis zur Lächerlichkeit nicht steht.

Noch lächerlicher macht sich unter Umständen das Fehlen eines Kostüms. Damit wäre ich beim Thema, nämlich dem Sonderpreis für Singen unter extremen Bedingungen. Ich schicke gleich voraus, dass ich natürlich nur von den mir vorliegenden Bildern ausgehen kann. Wer regelmäßig zu den Wagnerfestspielen geht, hat vermutlich noch mit ganz anderen Sachen aufzuwarten. Aber ich lasse Wagner mal außen vor und beginne mit meinem ersten Preisträger Yosemeh Adjei, der hier im "Ezio" von Händel die Titelpartie singt (und dem sein Kostüm recht gut steht):

(Bild gelöscht)

Das sieht auf den ersten Blick nicht nach erschwerten Bedingungen aus; in der Badewanne singen ja viele Leute (obwohl die meisten, die das tun, eine größere Wanne zur Verfügung haben). Aber dass wir uns recht verstehen: Der Sänger sitzt tatsächlich nackt in der Wanne. Ich weiß das, denn ich habe ihn hineinsteigen sehen. Da sang er allerdings nicht, deshalb zeige ich das hier nicht. Ätsch!

Gerade diese, nennen wir sie mal so, "Wannen-Arie" war übrigens derart bewegend und großartig gesungen, dass ich mir heute morgen bei Youtube einen Wolf gesucht habe, weil ich sie gern als Video verlinkt hätte. Aber nein, so viel Glück haben wir nicht. Das heißt, meine Leser nicht. Ich schon, ich hab die DVD. Ätsch.

Kommen wir zu der ersten bekannten Oper überhaupt, die obendrein meine persönliche Lieblingsoper ist, nämlich "L'Orfeo" von Claudio Monteverdi. Hier im Vordergrund Orfeo (liegend) und im Hintergrund Apollo (schwebend):

(Bild gelöscht)

Apollo steht vermutlich auf einem Brettchen und hält sich (das ist in den Detailbildern zu erkennen) mit den Händen an Griffen fest, die in die Wand montiert sind. Für eine längere Koloraturpartie mit Sicherheit nicht die beste Bedingung; aber ein echter Profi kann in jeder Lebenslage singen. Zu Beginn der Szene steht Apollo sogar kopf. Aber da singt er noch nicht.


(Bild gelöscht)

Peter Rose habe ich in einem früheren Eintrag schon mal gezeigt. Allerdings läuft er hier außer Konkurrenz, denn inzwischen glaube ich zu wissen, wie Herr Rose unter diesem Eselskopf mit gleichbleibender Inbrunst weitersingen kann: Wahrscheinlich trägt er ein Kopfmikrofon. Dieser Kopf ist, wie schon früher erwähnt, eine technische Meisterleistung mit beweglichem Unterkiefer und deutlicher Mimik. Er gehört natürlich in Brittens "Midsummer Night's Dream" in der Inszenierung von Robert Carsen.

Deanne Meek singt ihre Hermia in der gleichen Inszenierung mit Kissen werfend, liegend und zwischen zwei Herren mit dem Kopf nach unten hängend. Den richtigen Schnappschuss zu finden, ist gar nicht so einfach. Nehmen wir diesen, bei dem sie den Kopf immerhin noch ein wenig oben hat. Übrigens singen die beiden Herren auch.


(Bild gelöscht)

Ein weit größeres Päckchen zu tragen hat indessen der arme Mensch, der in der Figaro-Inszenierung von Claus Guth den Grafen zu singen hat: Er trägt bei der Rache-Arie den Weltmeister im Einradfahren, Uli Kirsch, auf den Schultern. Uli Kirsch stammt übrigens aus Fulda (jawohl!) und ist, vermute ich mal, auch nicht gerade ein Leichtgewicht, da er als Amor-Engelchen einen gut gewachsenen und austrainierten Eindruck macht. Davon kann ich leider hier kein Bild zeigen, aber dafür per Link auf zwei Herren verweisen, die sich in dieser Rolle als Kraftpakete profilieren durften:

Erstens: Bo Skovhus (bitte klicken)

Zweitens: der von mir überaus geschätzte Simon Keenlyside (bitte klicken), den wir oben als im Liegen singenden Orfeo schon mal hatten - da gleicht sich's dann Gott sei Dank wieder aus. Man muss halt nehmen, was man kriegt.

Ich finde diese Leistungen allesamt beachtlich und möchte noch ausdrücklich hervorheben, dass alle ausnahmslos sängerisch Bestleistungen abgeliefert haben. Die moderne Tendenz zum Regietheater wird uns sicher noch weitere liebenswerte Verrücktheiten bescheren.

PS. Als Außenseiter möchte ich diese Szene hier nicht unerwähnt lassen, sonst erwähnt sie womöglich jemand anders. Ich habe sie in meine persönliche Liste oben vorläufig nicht aufgenommen, weil mir die Inszenierung nicht gefällt - ich kenne sie allerdings nicht vollständig, vielleicht hat sich mir dieses Konzept einfach nicht erschlossen. Wie dem auch sei, Zachary Stains steht als Ercole in "Ercole sul Termodonte" von Anfang bis Ende nackt auf der Bühne.

Blubbern als Kunst!

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